Hund&Katz

Samstag, 8. Juli 2006

Hundeleben: Stillstand

Wir sind froh, dass er noch unter uns ist.
Aber unser Leben scheint still zu stehen. Wir können nichts mehr gemeinsam machen. Nicht mal einen Spaziergang. Er schafft nicht mehr als maximal 200 Meter. Und das auch nur abends, wenn es kühler ist. Das alte Tierchen alleine lassen - illusorisch. Der Urlaub für dieses Jahr ist abgeschminkt. Wir können nichts mehr planen. Wir achten auf jede Regung von ihm, jedes Husten, lauschen seinen Atemzügen. Manchmal sitzen wir einfach nur da und starren ihn an.
Wir beide haben uns manchmal innerlich kurz gewünscht, dass es bald so weit ist und diesen Gedanken gleichzeitig verflucht, uns für ihn geschämt.

Es ist belastend und stimmt einen depressiv. Schon seit Jahren sind wir eingeschränkt. Im August sind wir fünf Jahre zusammen, aber in der vergangenen zwei Jahren waren wir vielleicht drei Mal im Kino, ein paar Mal shoppen; Urlaub nur für eine Woche, und selbst dann mit schlechtem Gewissen. Schon seit drei Jahren rechnen wir innerlich immer mit einer dramatischen Verschlechterung.

Ich kann jetzt auch nicht mehr dagegen ankämpfen. Ich fühle mich wie in Watte gepackt. Ich würde so gerne nach draußen, durch die Natur stapfen, Burgen erkundigen, übers Deichstadtfest laufen, mich in die Sonne setzen, durch Koblenz bummeln - alles schon lange, lange nicht mehr gemeinsam getan.
Inzwischen kann man dem Hund auch niemand mehr zumuten. Zumal der Hund niemand anderen mehr akzeptiert und sein Zustand sich verschlimmert, wenn Herrchen nicht in der Nähe ist.

Ich verkrieche mich jetzt in mein Bett und gebe mich vollends meinem Stimmungstief hin.
Wir haben ja doch nur die Wahl zwischen Traurigkeit und Traurigkeit. Denn wenn wir denken, dass wir erleichtert sind, wenn er nicht mehr da ist, haben wir uns gewaltig getäuscht.

Er wird uns so fehlen...

Donnerstag, 22. Juni 2006

Zwischenhoch

Dank des schlechteren Wetters hatten wir heute Morgen einen erstaunlich munteren Hund. Offenbar haben die Spritzen angeschlagen. Dennoch ist er verändert. Er klebt geradezu am Herrchen, verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Sobald er ein paar Meter gelaufen ist, beginnt er zu hecheln. Seine Augen aber sind hellwach.

Ich habe die vierte Nacht kaum geschlafen und wieder (oder immer noch?) Kopfschmerzen. Fühle mich müde und bedrückt. Ich lasse alles fallen und stoße überall an. Meine Augen brennen. Habe keine Lust, mit jemand zu reden. Alles keine guten Zeichen.
Obwohl ich mich damit noch gar nicht auseinandersetzen möchte, beschäftigt mich unterschwellig immer die Frage, wie es "danach" weitergehen soll. Dass es weitergeht, weiß ich nur all zu gut, und um mich selbst mache ich mir weniger Sorgen. Ich stecke noch mitten in der Trauer um meinen Vater. Zynisch könnte ich sagen: Ich habe Übung darin. Es tut ständig weh, also kann es auch noch mehr weh tun. Irgendwie habe ich durch den plötzlichen Tod meines Vaters gelernt, Dinge hinzunehmen.

Vielmehr denke ich bei meinen Sorgen an Mammutjäger. Er hat so viel Verluste akzeptieren müssen in den vergangenen Jahren. Verluste verschiedenster Art und Weise. Der Hund ist das letzte Wesen aus seinem alten Leben, das ihm treu geblieben ist. Wie kann ich ihm nur beistehen?

Aber vielleicht ist es auch viel zu früh für diese Fragen.

Mittwoch, 21. Juni 2006

Von Stunde zu Stunde

Das Tierchen hat fast den ganzen Nachmittag und Abend geschlafen, dann mit Appetit gefressen. Er atmet ruhiger, liegt entspannter, nimmt wieder mehr Anteil. Was natürlich nichts an der grundsätzlichen Tatsache ändert, das er sehr alt und sein Herz schwach ist.
Wir denken jetzt nur noch von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag. Diese Nacht jedenfalls gehört noch uns Vieren zusammen, Mann, Frau, Hund und Kater.
Und morgen sehen wir weiter.

Herzschmerzen und Panik

Zum ersten Mal konnte uns die Tierärztin keine großen Hoffnungen machen. Die Blutzusammensetzung ist schlecht, das Herz sehr schwach. Hinzu kommt die Panik, weil der Hund viel zu schlau ist, um nicht zu kapieren, dass der Todesengel sich auf den Weg gemacht hat.
Er hat drei Spritzen bekommen; die TÄ konnte kaum die Vene finden. Seine Zunge ist blau verfärbt. Sollte er in den nächsten 24 Stunden nicht trinken und fressen.... noch will ich diesen Gedanken nicht zu Ende denken.
Auch sie sagt, dass er sich schon so oft unerwartet erholt habe, dass es noch zu früh sei für eine Entscheidung.
Wir haben ihm Baldrian eingeflößt, was meinen Kater in einen Rauschzustand versetzt hat, weil er an der Flasche herumleckte. Dem Hund hingegen passte der Geschmack nur wenig. Sein schiefes Schnäuzchen zitterte vor Widerwillen.

Ich habe so Kopfschmerzen durch die schlaflosen Nächte der vergangenen Tage, dass meine Augen tränen. Ich habe überall die Fenster gekippt und genieße das zarte Lüftchen, so gut es geht.

Wir können nur warten. Mehr nicht.

Wann müssen wir ihn gehen lassen?

Seit heute Nacht frisst er nicht mehr und rührt auch sein Wasser nicht mehr an. Den Kopf nach vorne gereckt und schwer atmend, meistens sogar hechelnd liegt er auf dem Boden, apathisch und abwartend. Wenn wir mit ihm reden, schaut er uns mit erstaunlich klaren Augen an.
Um Himmels willen, Hund, was willst du uns nur sagen? Ist es schon Zeit?
Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir wünsche, es wäre Herbst und nicht Sommer. Er verträgt die Hitze nicht, er ist 16 - - welche Wunder erwarten wir eigentlich?
Mammutjäger liefen schon beim Frühstück die Tränen herunter, man ist so hilflos. 16 lange Jahre ist er mit diesem eigensinnigen Tierchen durch Dick und Dünn gegangen; ich gehöre seit fünf Jahren zum Team. Und fünf Jahre sind eine lange Zeit.
Wir sind ratlos. Er bekommt bereits Herztabletten und Entwässerungstabletten für die Lunge. Wir wussten, dass das irgendwann passieren würde.
Wir werden nachher die Tierärtztin aufsuchen und ihren Rat einholen. Moggi ist ein Kämpfer, und vielleicht will er nicht kampflos gehen. Vielleicht kann man irgendwie dafür sorgen, dass er besser Luft bekommt.
Was auch immer passiert, wir werden das zusammen durchstehen, zu dritt oder, wenn man Moggis Kumpel Kater Rambo einrechnet, zu viert. Rambo ist extrem ruhig und traut sich heute nicht, Moggi zum Spielen aufzufordern.

Wenn ich nur wüsste, dass wir alles richtig machen... Und wie gerne würde ich meinem Freund diese Last von der Seele nehmen und ihn vor dem Kummer schützen, der auf ihn zukommt. Früher oder später.

Freitag, 17. März 2006

Große schwarze Katzen

Am Stammtisch grübelt einer der Trinkbrüder mit finsterem Gesicht vor sich hin, bis die anderen ihn fragen, was denn los sei.
Da fragt er: "Gibt es eigentlich schwarze Katzen, die einen halben Meter groß sind?"
Nach eingehender Diskussion bildet sich eine Mehrheit heraus, die meint, dass das durchaus möglich sein könnte.
"Gibt es auch schwarze Katzen, die einen Meter groß sind?"
Die meisten Stammtischbrüder glauben, das sei kaum denkbar.
"Und gibt es eigentlich schwarze Katzen, die einen Meter siebzig groß sind?"
"Unmöglich!", lautet die einhellige Meinung.
Darauf der Betroffene: "Ich glaube, dann habe ich heute früh unseren Pfarrer überfahren."
Langbeinkater

Mittwoch, 15. März 2006

Oh, ich weiß schon, ich weiß...

MoggisBlick_2
.... was du mir mit diesem Blick sagen willst.
"Guck mal, wie schön ich es hier ab. Beim Herrchen auf dem Bauch. Und du musst da drüben alleine auf dem Sofa sitzen. Aber ich, ich, der Hund, werde verwöhnt und gekrault und liebkost, obwohl ich stinke und huste und nerve. Nur hier ist es schön. Bei dir kann es niemals so schön sein. Du bist eben nicht Herrchen. Du bist nicht mal ein Mann. Vor allem hast du dieses schwarze Monster in diese doch so ungetrübte Ehe zwischen mir und Herrchen gebracht. Das werde ich dir niemals wirklich verzeihen. Auch nicht das, was du manchmal so mit Herrchen anstellst, wenn ihr denkt, ich schlafe. Dabei siehst du jetzt doch: Mich hat er auf dem Arm. Mich, nicht dich. Und jetzt bleibe ich hier auch und gucke dich unverwandt an, damit du auch richtig neidisch wirst. Obwohl ich es eigentlich gar nicht so sehr mag, auf einem warmen Bauch zu liegen. Zumindest nicht länger als eine Minute. Aber du siehst, ich bin schon fünf MInuten hier. Jaaa, guck nur. So gut habe ich es. Keiner hat es in diesem Moment so gut wie ich. Sei ruhig eifersüchtig. Das solltest du auch sein. Dann weißt du mal, wie ich mich fühle, seitdem du in unser schönes beschauliches Zweierleben geschneit bist. Das ist jetzt die Strafe...."

P.S. Angesichts dieser Zweisamkeit könnte man tatsächlich eifersüchtig werden. ;-) Abends zeigt der Hund mir immer all zu deutlich, wie grausam ich doch zu ihm bin (mitnichten!) und welch ein schaler Ersatz ich doch fürs Herrchen bin.

Mittwoch, 22. Februar 2006

Of Mice and Men

Was mir aufgefallen ist: Egal, wie traurig, sauer, wütend, verzweifelt, ängstlich oder gestresst ich bin - für meine Tierchen habe ich immer ein freundliches Wort übrig. Sie bekommen meine Stimmung nie ab. Wohl bekommen sie sie zu spüren, weil Tiere wahre Stimmungssensoren sind, aber sie müssen nicht darunter leiden.

Schade, dass ich so nicht auch mit Menschen umgehen kann.

Montag, 20. Februar 2006

Der Teufel sitzt im Detail

Da ich gestern Abend während eines sehr tiefsinnigen Dialogs mit unserem Hund feststellte, dass er nichts mehr sieht - nicht nur wegen seines biblischen Alters, sondern auch, weil ihm das Fell weit über die Augen gewachsen ist in diesem langen Winter - , opferte ich kurzerhand eines meiner Zopfgummis und band ihm die Wolle aus dem Gesicht. Wir waren entzückt. Was sah der Hund auf einmal so niedlich aus! Fast wie ein Weibchen! Und immerhin haben die echten Zucht-Shih-Tzus ja auch immer Klämmerchen in ihrer Haarpracht. Eigentlich scheren wir Moggi regelmäßig, weil er als ein aus dem Tibet stammendes Tierchen Wärme und Hitze gar nicht mag; aber momentan ist es noch zu kalt dafür. Das kleine Zöpfchen schien ein prima Kompromiss zu sein. Uns gefiel es, ihm gefiel es auch (vor allem die Aufmerksamkeit, die er dadurch bekam...).
Wir hatten die Rechnung aber ohne dieses schwarze Monster gemacht, das plötzlich in verdrehtem Seitwärtsschritt und beeindruckend aufgeplustertem Flaschenbürstenschwanz, die Haare auf dem Rücken zu einer spitzen Pyramide geformt, ins Wohnzimmer geschlichen kam. Rambo machte sich schlichtweg in die Hosen angesichts dieser gar grässlichen Veränderung auf Moggis Kopf. Ich glaube aber, es hat ihn am meisten irritiert, dass Moggi auf einmal so roch wie die Haare vom Frauchen.
Wir gaben ihm ein wenig Zeit, sich zu beruhigen, aber er blieb in Plusterstellung. Unglaublich, wie Katzen innerhalb weniger Sekunden wachsen können. Er war der sprichwörtliche Höllenkater, in Anbetracht dessen man sich fragte, wieso Goethe den Mephisto aus einem Pudel erschienen ließ. Und nicht aus einer schwarzen Katze.
Seit heute Morgen ist die Welt wieder in Ordnung. Mammutjäger hat seinem Tierchen die Augenbrauen gestutzt und Rambo ist wieder schlank. Für die Erinnerung gibts dieses Foto:
Zoepfchen

Samstag, 18. Februar 2006

Sessel-Kater

Ob er ahnt, wie dekorativ er auf der Sessellehne aussieht? Wie gut das Gelb seinen Augen steht? Seit 1,5 Tagen ist dies sein neuer Begrüßungsplatz. Lautlos und mit einem Satz springt er auf die Lehne und postiert sich.
Der Blick sagt alles. Hier regiert nur einer übers Wohnzimmerland. Nicht nur übers Wohnzimmerland - auch Küche, Flur und Arbeitszimmer. Die Schlafzimmerherrschaft muss er sich allerdings mit uns teilen. Nachts wir, tagsüber er.
Sesselkatze

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