Der ganz normale Wahnsinn

Mittwoch, 26. Juli 2006

Zimmer mit Aussicht

Nach einem wochenlangen grottenolmähnlichen Dasein im Halbdämmer meines Arbeitszimmer bei gefühlten 75 bis 78 Grad Celsius habe ich mit Mammutjäger gestern ein ernstes Wort gesprochen und an seine handwerkliche Begabung appelliert.
Ein Katzenfenster, bitte bitte! Ich mag nicht mehr tagsüber im Dunkeln sitzen und nachts in meinem eigenen Schweiße liegen.

Heute war es so weit. Plötzlich kam er wortlos ins Zimmer, scheuchte mich vom Schreibtisch weg, stand athletisch-stramm vor meinem Fenster, öffnete es, schloss es, murmelte geheimnisvolle Dinge, klopfte mit dem Zeigefinger gegen den Rahmen, nahm Maß, machte afrikanisch anmutende Klicklaute mit Zunge und Gaumen, dachte mindestens drei Minuten an einem Stück stumm nach, das Fenster stets im Blick, als könne es sich mit einem jähen Sprung aus dem Staube machen, wenn er nur einmal die Augen abschweifen ließe, maß noch einmal, machte sich Notizen - - während ich blöde kichernd auf dem Bett saß und dieses urmännliche Spektakel genoss.

Zwei Stunden später scheuchte er mich nach einem ausgiebigen Bauhaus-Besuch wieder weg, diesmal mit vier Holzlatten unterm Arm, dem unverzichtbaren Maßband und einem Bleistift, um erneut sehr viel zu messen und zu gucken und anschließend mit in sich gekehrtem Blick in die Werkstatt zu fahren.

Eine weitere Stunde später musste ich meinen Platz zum dritten Mal räumen und räumte ganz freiwillig auch gleich mein Zimmer - wie gut, dass es Laptops gibt -, denn die grüblerische Stimmung meines Mammutjägers war einer gereizten bis leicht cholerischen Stimmung gewichen, die ihren Höhepunkt erreichte, als sich herausstellte, dass der Akku des Bohrers seinem Tode nahe war.
Ich hielt mich mit einer dezent-weiblichen und am Ende auch naiv-bewundernden Unterwürfigkeit im Hintergrund und brachte dem schwitzenden und fluchendem Mann an meinem Fenster als gute Hausfrau ein kühles Bier. Mein Mund blieb verschlossen wie ein Schatzkästlein. Jede meiner bösen Bemerkungen, die mir auf der Zunge lagen, hätten das Fass zweifellos zum Überlaufen gebracht.

Und dann wars vollendet. Ein 1-A-Katzenfenster, endlich wieder Licht und Luft für mich, Geräusche von draußen, so etwas wie ein Windhauch und einen Kater, der sein Glück nicht recht fassen kann.
Was ist es doch manchmal praktisch, einen Mann im Hause zu haben.

Freitag, 21. Juli 2006

Die M-Frage: Hm, ich denke...

... ich habe mich vor ziemlich exakt fünf Jahren richtig entschieden, als ich begann, ihn leise und zart und hartnäckig und liebevoll und hingerissen und ängstlich zu umgarnen....
Oder wie er heute Morgen sagte: "Da hast du angefangen, deine Fäden zu spinnen." Und ich sah in seinen Augen, dass er sich gerne daran erinnert.

Vielleicht sind wir ja tatsächlich fortpflanzungswürdig.

Donnerstag, 6. Juli 2006

Hundefeindlich

Manchmal will ich hier echt meine Koffer packen und schnellstmöglich verschwinden.
Haben unseren herzkranken, hitzegeplagten, schwer atmenden Hund in den vergangenen Wochen einige Male im Garten pinkeln lassen, weil er nur noch schlecht gehen kann und der Garten relativ kühl ist. Der Gute pinkelt auch immer nur an eine einzige, verborgene Stelle, wo sich jetzt ein zirka bierdeckelgroßer, gelber Fleck im Gras gebildet hat. Man muss sich schon sehr anstrengen, um ihn überhaupt zu entdecken.
Zudem ist der Garten ein toter Garten. Die Bewohner dieses ach so schönen noblen Hauses gehen nur hindurch, wenn sie in die Fußgängerzone wollen. Es ist auch nicht wirklich erwünscht, dass man sich aufhält - man muss es vorher mit der Hausverwaltung absprechen. So ähnlich also wie die Bestimmung, dass man nur drei Mal im Jahr grillen darf. Und dann natürlich auf dem Elektrogrill. Holzkohle ist etwas für Barbaren.
Also - außer dem Gärtner ist dort nie jemand; die Teakholzmöbel warten vergeblich auf Besucher.
Und jetzt ist hier Krieg ausgebrochen wegen eines bierdeckelgroßen gelben Flecks von einem Hund, der diesen Sommer wahrscheinlich sowieso nicht überleben wird.
Zudem muss man uns gezielt beobachtet haben.

Da muss ich doch sofort an den Abend nach der Beerdigung meines Vaters denken, als ich müde von der Fahrt und traurig von dem langen Tag meinen Briefkasten aufschloss, und eine harsche Stimme aus der Sprechanlage tönte: "Hören Sie gefälligst auf, da rumzufummeln und verschwinden Sie!!" Da muss tatsächlich die Hausverwaltung vor der Überwachungskamera gesessen und mich für einen Dieb oder etwas anderes (?) gehalten haben. Nett, oder? Wie kann man es auch wagen, nachts um elf in den Briefkasten zu gucken?
Da hat man gefälligst zu schlafen. Mich wundert, dass es in der Hausordnung keine Klausel gibt, abends um neun die Jalousien hinunter zu lassen und sich nicht mehr auf den Balkonen aufzuhalten.

Fazit der Geschichte: Wir müssen unserem Hund nun zu jeder Tageszeit zumuten, in der prallen Hitze der Straße pinkeln zu lassen, wo die Autos sich keinen Deut um Tierchen scheren. Vor allem sind wir jetzt - übrigens als einziges Paar in diesem Haus, das eine wilde Ehe führt - die Buh-Leute. Prima.

Mittwoch, 5. Juli 2006

Äähm.... wie war das...?

... Deutschland wird Weltmeister?
Hm. Also doch kein Land voller Hellseher. ;-)))
Ich lasse Sportsgeist walten: Die Italiener waren besser, basta. Somit haben sie es auch verdient. Eigentlich war es Glück (und ein bisschen Lehmann), dass es nicht 4:0 stand am Ende.
Wär doch schön, wenn Italien Weltmeister wird. Dann feiern wir ein bisschen mit unserem Lieblings-Italiener um die Ecke, wo ich mich jedes Mal wie im Kurzurlaub fühle.

Bei 14 Italien-Urlauben, einem italienischen "ragazzo" in meiner jugendlichen Vergangenheit (soooo lange Wimpern...) und meiner Liebe zu dieser wunderschönen Sprache wünsche ich den Azzuris nur das Beste.

Allerdings: Zidane würde ich auch ein finales Tor gönnen. Schon alleine wegen seines coolen Namens.

Es ist schrecklich, wenn Frauen über Fußball reden, oder? ;-))

Dienstag, 4. Juli 2006

Ein Land voller Hellseher

Ich muss mich schon wundern, wie viele Menschen in diesem Land auf einmal glasklar in die Zukunft blicken können. Deutschland wird Weltmeister, da sind sie sich sicher.
Ach ja? Die Zeichen stehen denkbar schlecht. Italien ist eine verdammich starke Mannschaft. Ganz abgesehen davon haben sie einen imposant guten Torwart. Selbst wenn man sich mit 0:0 über die Verlängerung schleppen würde, wäre die Sache immer noch richtig schwierig.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die WM für viele Menschen hier nur dann Sinn macht, wenn Deutschland auch Weltmeister wird. Das ist eine etwas engstirnige Sicht der Dinge.
Bei aller Sympathie für Klinsi, Poldi, Klose und meiner Verehrung von Frings' tatooverzierten, muskulösen Oberarmen *seufz* - ich mag auch die Italiener. Oder die Franzosen (Zidane!). Portugal ist ebenfalls ein schönes Land mit schönen Männern (Figo könnte einem Historien-Epos entsprungen sein).

Aber wie kann ich mich nur gegen ein Land voller Hellseher wenden? Oh Schande! Damit bin ich doch ein Spielverderber!

Nein, eben genau das nicht. Das Spiel ist dann verdorben, wenn alleinig zählt, dass Deutschland gewinnt.
Denn es heißt "WELTmeisterschaft". Und "Zu Gast bei Freunden". Nicht umsonst! Für mich ist das Fest erst zu Ende, wenn das Finale gespielt ist. Egal, wer gewinnt. Und keinen Tag früher.

P.S. Und die Briten haben mir Leid getan. Weinende Männer mag ich gar nicht gerne sehen.

Ziemlich stickig

Am Wochenende gab Mammutjäger meinem Drängen endlich nach und erlaubte mir, in eine Base zu klettern (Zauberer wissen, was gemeint ist; andere sollen es gar nicht erst wissen... ;-) ). Schließlich, so sagte man mir mehrfach, habe ich ja die geeignete Base-Figur (Knochengestell mit nix dran).
Es ging gerade so. Rücken flach auf den Boden pressen, Beine im Schneidersitz, Hals zur Seite gelegt, meinen Dickkopf fest an die Wand mit den Luftlöchern gedrückt. Klappe zu, Äffchen gefangen. Puuuh. Ziemlich stickig ist es da drin, und wenn dann noch schwere Männer über dich drüber steigen, sind starke Nerven und ein wenig Durchhaltewillen nicht verkehrt.
Das Raussteigen gelang mir nur wenig elegant - auch hier macht wohl Übung die Meisterin.

Völlig rätselhaft ist mir aber, wie Mammutjäger mit seinen breiten Schultern und kräftigen Armen da reinpasst. Und sogar noch in kleinere Bases! Dieser Mann kann sich auf beängstigend schlangengleiche Art zusammenfalten. Er schafft es, sich kleiner zu machen als ich, obwohl das physikalisch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Das hat meinen Ehrgeiz erweckt, trotz des schmerzhaften Ziehens in meinem Rücken, das mich ereilte, nachdem ich mich mit tumben Torkelbewegungen aus meinem dunklen Gefängnis befreit hatte.
Bin eben doch nicht mehr die Jüngste...

Daher mein Appell an Mammutjäger: Solltest du mich jemals in eine Show einbinden wollen, dann tue es bitte JETZT. Denn es kann nur schlimmer werden...

Samstag, 1. Juli 2006

Guck mal, die hat obenrum...

... fast so wenig wie wir!, höhnte Mann 1 (T-shirt, Shorts, Socken, Turnschuhe) zu Mann 2 (T-Shit, Shorts, Socken, Sandalen), als ich (Jeans, TankTop, Palladium) ihnen eben auf der Fußgängerzone entgegen kam. Hört, hört! Solch ein Spruch aus Männermund?
Ich werde erstaunlich selten wegen meiner mikroskopisch kleinen BH-Größe (die in der Modewelt generell unterschlagen wird, weshalb ich glücklicherweise keine von diesen Dingern tragen muss) gehänselt. Und wenn, dann meistens von pubertierenden, frühereifen Mädels. "Meine" Männer vermissten nix (und wenn, haben sie es verdammt gut überspielt und damit kann ich letztlich auch leben).
Nichtsdestotrotz könnte ich eine gewisse Skepsis mir gegenüber als ernährende Mutter (wenn auch unbegründet, meine ähnlich gebaute Mama hat mich wunderbar gestillt) oder leichte Zweifel an meinem Gesundheitszustand (ebenfalls unbegründet) und nicht zuletzt an meiner weiblichen Vollkommenheit (es ist alles da, was man braucht) verstehen. Für manche Männer ist das einfach definitiv zu wenig.
Nicht aber erschüttern kann mich Hohn von Kerlen, deren weißer Bierbauch bei jedem Schritt über den schlecht sitzenden Hosenbund schwabbelt. Jungs, schaut doch mal nach unten. Da habt ihr definitiv mehr als ich. Und schön ist es nicht!
Außerdem: Bei mir schwabbelt gar nix. Bätsch!
Dann hab ich doch gerne "obenrum" fast so wenig wie ihr. ;-)

Dienstag, 27. Juni 2006

Bärchen Bruno

"Der arme, arme Bruno!" "Ich hasse alle Jäger!" "Die sollten selbst mal abgeschossen werden" "Alle Jäger sind Sadisten" - nur eine kleine Auswahl aus den derzeitigen Diskussionen in diversen Haustierforen.
Es ist ermüdend, es ist emotionsüberladen, es ist unsachlich, es ist teilweise beschämend, mit welchen Argumenten da um sich geschmissen wird. Ich finde es auch traurig, dass ein Leben Mensch neben Bär nicht funktioniert hat. Bruno hat uns echt herausgefordert, und leider waren wir nicht bereit für ihn. Daher ist meine Meinung: Statt blindem Lamentieren müssten jetzt Pläne gemacht werden, wie man in der Zukunft mit dem Bären ansich und im Speziellen umgeht, ob "Problembär" oder nicht. Wie ein Leben nebeneinander - Menschen, Nutztieren, Kindern, Touristen - ermöglicht werden kann.
Diese ganzen aufgepeitschten Emotionen machen weder Bruno wieder lebendig noch schaffen sie ein Bären-Konzept für die Zukunft. In all diesen Diskussionen wimmelt es von Unterstellungen und Hasstiraden.
Ich kann auch nicht verstehen, wieso es per Betäubungsgewehr nicht geklappt hat und per echtem Gewehr fast auf Anhieb, aber ebensowenig möchte ich - und das wäre die Konsequenz - den finnischen Spezialeinheiten vorwerfen, mit Absicht nicht auf den Bären geschossen zu haben, damit ihn danach ein Jäger abknallen konnte. Das ist doch absurd! Die holen doch nicht eine sauteure Spezialtruppe ins Land und geben denen dann für mehrere Wochen die Order, bloß nicht zu treffen.
Das kann auch ein ganz blöder, ärgerlicher Zufall gewesen sein, dass kurz nach Abschussfreigabe einer trifft (was natürlich nichts an der Abschussfreigabe und deren negativen Charakter ändert!). Bruno hatte wieder ein Tier gerissen, der Bauer hat's an die Obrigkeit weitergegeben, die Behörden aktivierten eine Jägereinheit.
Dass jetzt manche Tierschutzaktivisten Morddrohungen gegen die Jäger aussprechen und deren Namen geheim gehalten werden müssen, finde ich wirklich unter aller Kanone. Sie haben ihn zudem nicht niedergemetzelt, sondern einen gezielten Schuss in die Schulter abgegeben; er war sofort tot. Zumindest laut offiziellen Meldungen (die ich nun natürlich nicht persönlich überprüfen kann).
Nein, im Moment wird lieber auf die bösen Menschen und Jäger geschimpft, als wäre dieser Bär ein Heiliger gewesen, anstatt unseren menschlichen Verstand dazu zu nutzen, für die Zukunft - eine hoffentlich bärige Zukunft - vorzusorgen.
Dennoch und bei aller Tierliebe: Wer von uns stand einmal einem Bären gegenüber? Wer hat den Aasgeruch aus seinem Maul gerochen, wer hat seine mächtigen Pranken gesehen, seine bulligen Schultern vor den Augen gehabt, seine immense Kraft gespürt? Und wer hätte dann cool gesagt: "Och, ich gehöre nicht in sein Beuteschema. Der hat mehr Angst vor mir als ich vor ihm." Welcher bayrischen Mutter kann man verübeln, dass sie Angst um ihre Kinder hat, wenn diese draußen spielen? Welchem Bauern kann man guten Gewissens zumuten, dass er jeden Morgen zu seinem Vieh geht und erst einmal ein paar gerissene Jungschafe entsorgen muss?
Wir können nicht so tun, als wäre Bruno ein süßes, niedliches, bedauernswertes Kuscheltier und als wären Schafe, Ziegen und Bienenstöcke nichts wert (mit dem zweifelhaften Argument, dass die sowieso getötet worden wären, was mal dahin gestellt sei... es gibt auch Milchziegen und selbst wenn ihnen nur zwei Jahre vergönnt wären, so sind es nun mal zwei Jahre). Ein Bär gehört in ein menschenarmes Gebiet; so ist es fast überall auf der Erde und es hat seinen Sinn. Denn der Bär braucht die Menschen auch nicht. Falls sie nah aufeinander treffen, müssen besondere Vorkehrungen geschaffen werden, und damit waren alle überfordert! Denn es gab hier seit über 100 Jahren keine Bären mehr. Wie hätte man denn jetzt in kürzester Zeit ein Bärenkonzept aus dem Boden stampfen sollen, wie der WWF es zu Recht für die Zukunft fordert? Und während all der Zeit riskieren, dass vielleicht doch ein Mensch angegriffen wird? Und was ist mit dem Bären-Tourismus, der durch Bruno entstanden ist? Mit all den Touris, die sich mit Kamera bewaffnet auf die Suche nach ihm gemacht haben, was an Blödheit eigentlich kaum zu überbieten ist?

Es hat einfach nicht gepasst, die Zeit war nicht reif, und hinzu kam, dass Bruno eben ein etwas eigenwilliger, schlauer Bär war, der genau wusste, wo es die besten Leckerli gibt - nämlich in der Nähe der Menschen. Das kann man nicht einfach wegreden.
Betäubungsschuss und in ein anderes Gebiet bringen - das wäre eine Notlösung gewesen. Oder Zoo, ein Gedanke, der mir persönlich gar nicht behagt. Bruno in einem Zoo - unvorstellbar. Der Bursche wollte doch wandern...
Das mit dem Betäubungsschuss hat nicht hingehauen, aber angeblich haben die Finnen es bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte und des Budgets versucht.

Aber im Grunde ist das auch keine Lösung. Eigentlich hätte es so sein müssen, dass man den Bär einfach in diesem Gebiet leben lassen konnte. Bei einem Bär anderen Charakters wäre das womöglich kein Problem gewesen.

Bruno war aber nun mal - Bruno. Wir sollten seinem Tod einen Sinn geben. Wir sollten ihn als Paradebeispiel für einen "Problembär" ;-) nehmen und uns versuchen, ein Konzept auszudenken, mit solchen Bären zu leben. Nebeneinander. In Frieden. Dann sind alle anderen Bären ein Kinderspiel für Mensch und Vieh.
Aber Morddrohungen gegen Jäger; dubiose Abstimmungsergebnisse, für die Menschen voten, die noch nie in ihrem Leben auch nur in die Nähe eines Bären kamen, und Teddybären mit Ketchup auf dem Latz an die Behörden zu schicken (einer der vielen teilweise sehr lustigen Vorschläge der Aktivisten) sind meines Erachtens wirklich nicht produktiv.
Bruno sollte nicht dafür gestorben sein, dass man einmal mehr die Tierschutzaktivisten belächelt.

Zum Schluss noch ein persönliches Wort: Ich verstehe auch nicht, wieso man immer in einem Atemzug die Menschen beschimpfen muss, wenn so etwas passiert. Ich habe Respekt vor der Kreatur, und da zählen für mich Menschen dazu.
Wer Menschen verachtet und Tiere abgöttisch liebt, ist mir wirklich suspekt. Und mit Menschen-Beschimpferei kommen wir im Punkt Bruno keinen Millimeter weiter.

Montag, 26. Juni 2006

Anti-Werbung

Während ich gestern Vormittag auf der Yves-Klein-Vernissage weilte, um anschließend meine Eindrücke in die Tasten zu hauen, widmete sich Mammutjäger einer Höhlen-Grundreinigung.
Ich fand ihn nach meinem Kunstausflug in reinlichster Umgebung und emsig tippend am Computer vor. "Was machst du da?", fragte ich. "Ich schreibe was auf", sagte er. "Was?" "Verhaltensregeln." "Für wen?" "Na, für dich..."

Okay, hier nun ein Auszug und etwas Anti-Werbung für mich als Höhlenmitbewohnerin:

"Überall, wo du dich niederlässt, entsteht in kürzester Zeit ein Chaos. Dein Nachttisch quillt über vor Büchern, leeren oder halbvollen Sprudelflaschen, Cremes und Tablettenpackungen."
Bücher? Können Bücher Unordnung sein? Das mit den Tabletten hatten wir hier schon mal - Antibabypille, Baldrian, Antiallergika - brauche ich alles! Labellos und Cremes - unverzichtbar!
Aber weiter im Text:

"Reitstiefel gehören nicht ins Bad und das Wohnzimmer ist kein Umkleideraum. Da haben Schuhe unterm Tisch gar nichts verloren. Jacken, Haargummis, Klämmerchen und Taschen sind dort auch fehl am Platz."
Ich finde, dass die Reitstiefel dem Bad einen apart-rustikalen Akzent geben. Ich gucke meine Reitstiefel immer gerne an. Oh, ich liebe sie! Haargummis und Klämmerchen müssen sowieso in jedem Zimmer sein. Jacken und Taschen - nun ja, ich gehe eben nach einem Termin zuerst ins Wohnzimmer, um die Tierchen zu begrüßen und dann... hm....tja...

"Thema Küche: Bevor du etwas kochst, wirf vorher mal einen Blick in den Kühlschrank, ob nicht schon eine Zutat angebrochen ist."
Ich nehme mal an, dass er damit auf meinen Rekord der angebrochenen Sahnepäckchen hinweist... *hüstel* Aber ich bin stolz, einen Mammutjäger zu haben, der in der Lage ist, einen korrekten Imperativ zu verwenden.

Auf die Erläuterungen folgen gestrenge Regeln.
"Bitte keine Schuhe und Jacken im Wohnzimmer ausuziehen, und wenn doch, dann in den leeren, dunklen, bösen Raum bringen, den man Diele nennt."
Hmpf. Der böse Raum...

"Nach einem TV-Abend alles, was auf dem Couchtisch steht, in die Küche bringen. Keine Flaschen auf dem Boden stehen lassen."
Ich sehe die Flaschen nicht, wenn ich müde bin!! Außerdem braucht man sie vielleicht am nächsten Tag wieder?

"Der Glastisch wird nicht als dauerhafte Ablage für Schmuck, Klämmerchen, Haargummis und Sonstiges benutzt."
Hab du mal so lange Haare wie ich!!! Wie gesagt, das ist eine Überlebensstrategie mit dem Verteilen der Klämmerchen!

"Thema Wasserflaschen: Eine sollte immer im Kühlschrank stehen, eine andere am Bett und eine in deinem Arbeitszimmer. Mehr aber auch nicht. Dieses Sammelsurium an Altglas, das du in allen Räumen aufkommen lässt, möchte ich nicht mehr sehen. Ist eine Flasche aufgebraucht, so tu sie doch bitte in den Kasten. Das kann so schwer nicht sein. Ich zeig dir auch, wo der Kasten zu finden ist."
Tja, das mit den Sprudelflaschen ist ein Familienproblem. Mein Vater hat einmal bei meinem Bruder unter dem Bett so viele leere und halbvolle Sprudelflaschen gefunden, dass er einen ganzen Kasten Leergut wegbringen konnte.
Bevor aber der Eindruck aufkommt, ich sei ein Messie: Im Moment befindet sich in diesem Zimmer genau eine Sprudelflasche, und im Schlafzimmer noch eine. Mammutjäger ist seeeehr ordnungsliebend. Eine mehr ist schon eine zu viel für seinen Geschmack.

Warum mir diese strenge Liste so viel bedeutet? Weil mein Vater als preußischer Pedant mir in meiner Jugend ungefähr sieben solcher Listen schrieb - natürlich weitgehend erfolglos. Aber in ganz ähnlichem Stil und mit ähnlicher Strenge.
Gegen Unordnung kann man was tun; ich aber bin zerstreut. Das hat bisher nie jemand verstanden. Ich hasse Chaos, aber wenn ich intellektuell arbeite, habe ich für nichts anderes mehr Sinn. Ich sehe es einfach nicht. Abends packt mich dann die große Ordnungswut, aber da ist der Zerstörungsgrad schon zu groß und meine Energie zu klein. Oh, es fällt mir so schwer, meine Gedanken zusammen zu halten!

Aber ich liebe diese Liste. Vielleicht habe ich sie auch unbewusst herausgefordert. Einen Hauch väterlicher Strenge eben. Und ich werde mein Bestes geben, um die Auflagen zu erfüllen. (Übrigens, auf meine Frage hin, was ich denn für das Einhalten der Regeln bekäme, sagte Mammutjäger knapp: "Bleiberecht.")
Nichtsdestotrotz muss es eine Revanche geben.

Denn wer glaubt, Mammutjäger sei der perfekte Höhlenbewohner - hohooo, weit gefehlt! Nimm dich in acht, Freund!

Dienstag, 20. Juni 2006

Ich will ja kein Spielverderber sein...

...AAABER: Mir geht die WM im Moment ganz schön auf den Senkel. Grundsätzlich ist das ja alles eine schöne Sache, klar, ein Ruck geht durch das Land, Euphorie, Menschen liegen sich in den Armen - alles nur, weil ein paar Kerle versuchen, einen Ball in ein Tor zu kriegen. Immerhin schaffen sie etwas, was etlichen Politikern vorher nicht gelang.

Aber denkt auch mal jemand an die Freiberufler und Kulturschaffenden??? Ganz besonders an die Freiberufler, die von den Kulturschaffenden abhängig sind - nämlich an mich???
Es ist eine Katastrophe. Mein Telefon schweigt, mein Mail ist im Streik, mein Fax hält Sommerschlaf. Niemand will was von mir. Kein Wunder - wer macht schon Veranstaltungen und Ausstellungen, wenn ganz Deutschland vorm Fernseher oder Großbildleinwänden hängt?
Es ist niederschmetternd. Ich muss mich beherrschen, um nicht Panik zu bekommen. Jetzt geht das WM-Loch also nahtlos in das Sommerloch über.
Mammutjäger - freiberuflicher Kulturschaffender - geht es nicht anders. Wir beide sitzen morgens beim Frühstück, schauen uns ratlos an und wissen nicht Recht, wie wir unseren Tag gestalten sollen.
Warum nur bin ich nicht Sportjournalist geworden?

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