Hottas

Freitag, 29. September 2006

Beinahe

Beinahe haben Curry und ich uns gestern auf den Boden gelegt - aber so richtig mit Schmackes. Er ist im Galopp gestolpert. Nicht dieses typische kurze Stolpern, was Pferde manchmal zustande bringen, wenn sie unkonzentriert sind. Sondern ein Stolpern, das mich dem Boden so nahe brachte, dass ich glaubte, ihn mit der Hand streifen zu können. Zu allem Überfluss hatte ich auch noch die Bügel übergelegt.

Aber wie durch ein Wunder fing Curry sich im letzten Moment ab und hievte uns beide wieder hoch. Ich saß wie eine Eins. Ich war nicht mal in Gefahr gewesen, von ihm herunterzurutschen. Entweder wir wären beide gemeinsam hingefallen und er hätte mein Bein gequetscht, da ich im Sattel blieb - oder wir mussten uns retten. Was wir getan haben. Ich habe das Gleichgewicht nicht verloren und ihn damit ausbalanciert, er hat die Kraft beigesteuert. Teamwork.

Einem leisen Schreck folgte die Verwunderung darüber, wie fest man im Sattel sitzen kann, obwohl die Welt in einem selbst wankt - und wie elegant man sich wieder nach oben bringen kann, obwohl man schon fast über seine vier langen Beine gestürzt war.

Für die anderen ging alles viel zu schnell. Sie hörten es, dieses schnelle, harte Geräusch des Stürzens, aber ehe sie die Situation erfasst hatten, waren wir schon wieder am Traben.
Puh, Curry, das war knapp.

Aber wieder einmal konnte ich so viel lernen von dir. Bitte halte dich noch ein bisschen. Ich weiß, du bist alt und deine Knochen tun weh. Und du musst immer dicke Mädchen tragen, weil du der Kräftigste bist. Aber ich bin leicht und ich möchte dich gerne ein bisschen entlasten. Weil du mich entlastest.

Mittwoch, 5. Juli 2006

Mein Sommer mit Kenia

Da hat mich doch glatt mein Elefantinnen-Gedächtnis getäuscht... Das Jugendbuch hieß nicht "Mein Sommer mit Kenia", sondern "Ein Jahr mit Kenia".
Wie auch immer: Gestern hatte ich einen Hauch von einem "Mein Sommer mit Kenia"-Gefühl.

Warum so viele Gedanken um ein einziges, zickiges Pferd, das noch nicht mal mir gehört und auch niemals mir gehören wird? Dass sich wahrscheinlich nicht einmal an mich erinnern kann, wenn ich nächste Woche wieder in seine Box stolpere?

Es ist wichtig für mich. Aus vielerlei Gründen.
Der eine ist, dass ich Herausforderungen mag und mir schwierige Wesen sympathisch sind - wie ich nun feststelle, bezieht sich das nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Tiere.
Der nächste ist, dass ich Kenia verstehe. Ich verstehe, warum sie das tut und ich möchte ihr einen Grund geben, es bei mir nicht zu tun. Vielleicht ein Ding der Unmöglichkeit, mag sein.
Dann, zum dritten, ist sie wunderbar zu reiten und, wie sich gestern herausstellte, auch im Freien relativ verlässlich. Zumindest gab sie mir aber das Gefühl, verlässlich zu sein, und das ist schon die halbe Miete.

Aber am wichtigsten ist die Sache mit der Angst.
Gerade eben, als ich anfing, diese Zeilen zu schreiben, kam mir eine Epidose aus meiner Kindheit in den Sinn.
Unsere Nachbarn hatten immer Wachhunde - schöne, große Schäferhunde. Als wir einzogen, war die Hündin Fax noch da. Eine brave, alte, friedliche Seele mit grauer Schnauze. Ihr folgte der Heißsporn Hasso, ein quirliger, aufgeregter Rüde mit fast schwarzem, breiten Kopf - kurz: ein Prachttier.
Hasso wurde schnell groß und kräftig. Verspielt war er jedoch immer noch. Nie werde ich diese albtraumhafte Szene vergessen, als Hasso plötzlich aus dem Tor schoss, quer durch unseren Garten fegte und meinen im Sandkasten spielenden Bruder - er war fast noch ein Baby - umschmiss. Wir alle dachten, dass Hasso ihm mindestens den Kopf abbeißt. Meine Mutter schrie, mein Vater schrie, meine Schwester weinte, ich war erstarrt und gleichzeitig wütend. Nie hatte ich Angst vor Hunden gehabt, aber jetzt war sie da. Hasso schien unberechenbar zu sein.
Mein Bruder hatte bis auf einen gehörigen Schreck nicht mal einen Kratzer, aber ich verspürte ab diesem Zeitpunkt keine große Freude mehr, wenn ich zum Spielen in den Garten ging. Hasso war zur Gefahr geworden, die stets hinter dem Zaun lauerte. Mal sichtbar, mal unsichbar. Aber sie war da.
Irgendwann hatte ich schlichtweg keine Lust mehr, Angst zu haben. Ich wollte meinen angstfreien Garten zurück. Stur und findig, wie Kinder sein können, beschloss ich, Hasso zu bestechen. Anfangs wagte ich mich nur in einigen Metern Abstand an ihn heran, wenn ich ihm abends nach dem Essen eine Salamischeibe brachte. Aber ich tat es jeden Abend und kam ihm stückchenweise näher. Es dauerte nur wenige Wochen, bis ich es wagte, durchs Gitter und Angesicht in Angesicht mit diesem bildschönen Tier zu sprechen, seine Luft zu atmen, irgendwann vorsichtig meine Hand herüber zu strecken. Nie werde ich vergessen, wie ich ihn das erste Mal streichelte und kraulte und er es genoss - ich in Zukunft nur zu rufen brauchte, und er kam freudig angetrabt. Von nun an war der wilde Hasso mein Ein und Alles. Und es kam der Tag, an dem ich mich in der Schaukel verhedderte und Hasso hinter seinem Gittertor schier ausflippte und so lange anschlug, bis jemand auf mich aufmerksam wurde. In dem Moment hatte ich mich zwar gerade selbst befreien können, doch ich wusste genau, dass Hasso mich beschützen wollte. Dass er nach Hilfe bellte. Zudem gehorchte er mir aufs Wort.

Diese Beharrlichkeit und diese Unlust, Angst zu haben - - das muss ich aus mir hervorkramen und für Kenia wieder auferleben lassen.
Denn es ist eine Tatsache, dass ich mit den Jahren immer vorsichtiger und ängstlicher geworden bin; Gefahren vermeide, wo es nur möglich ist.

Gestern straffte ich meine Schultern, als ich zusammen mit einer erfahrenen Reiterin die Box betrat und wir sie gemeinsam halfterten. Trotz der Todesangst beim letzten Mal war ich wieder gekommen. Mit viel Zeit.
Und als wäre das eine Belohnung für diese Überwindung, hatten wir eine tolle Stunde draußen auf dem Dressurplatz; zwar bei brütender Hitze und umzingelt von Bremsen, aber ich habe es genossen, weil ich merkte, wie unerschrocken Kenia ist, wenn sie nur Freiheit wittert.
Und als sie beim Abduschen neugierig wurde, genau den Brausenkopf beäugte und schließlich daraus trank, als ich ihn vorsichtig zu ihr führte, obwohl ihr das Wasser wild ins Gesicht sprühte, merkte ich wieder mal, was für ein Prachtross in ihr steckt.

Es gibt also tatsächlich viele Gründe, sich über ein Pferd wie Kenia Gedanken zu machen.
Es heißt, dass man in den Augen eines Pferdes den Zustand der eigenen Seele erkennt. Ich glaube, da ist etwas dran.
Und ich bin so froh, dass ich meinen Reitlehrer gebeten habe, sie mir wieder zuzuteilen.
Noch ist es viel zu früh, um von einer echten Entspannung zu reden. Ich stelle mich auf das nächste Gefecht ein.
Aber ich habe wieder Mut gefasst. Und das ist ein schönes Gefühl.

Mittwoch, 28. Juni 2006

Afrikanische Tränen

"Pferde fühlen sich geborgen, wenn man die Führung übernimmt", sagte mein RL zu mir. Vorangegangen war ein mittelschweres Drama. Ich wollte so mutig sein und war so ängstlich. Nachdem ich den Stall zehn Minuten verzweifelt nach einem Führstrick abgesucht hatte, war wieder alles zu spät.
Kenia scheuchte mich vier Runden durch die Box, drohte Bisse an und zuckte dann mit der Hinterhand. Ich konnte nicht mehr. Der Angstschweíß war mir längst ausgebrochen, mein Puls raste - sie spürte es. Sie bekam selbst Angst.
Ich habe den Teufelskreis nicht durchbrechen können, ärgerte mich maßlos über mich selbst und am allermeisten über meine Tränen, die mir in all der Panik aus den Augen schossen. War ein hormonell sehr ungünstiger Zeitpunkt für eine Diskussion mit einem Problempferd.

Mein RL ging ohne mit der Wimper zu zucken in die Box und sattelte sie innerhalb von zwei Minuten. Ich stand daneben, wütend und fassungslos. Er sagte nicht ein Wort zu ihr, und sie drohte nicht einmal. Riss nur kurz den Kopf nach oben.
"Es ist die Körperhaltung", sagte er anschließend. "Jeder, der mit dieser Körperhaltung wie ich eben in die Box geht, wird mit ihr umgehen können."

Nun, wie bitte model ich 32 Jahre antrainierte, aber miese Körperhaltung um? Wie werde ich binnen weniger Wochen zu einer selbstbewussten, toughen Frau? Wie nur soll ich das ausstrahlen, was ich nicht bin? Ich kann nicht so tun, als wäre ich es. Dafür sind Pferde zu schlau.

Schon Curry hat mich nicht als Leittier akzeptiert; sonst hätte er mich nicht nach jedem Ritt als großes Sabbertuch benutzt. Er ist einfach zufrieden mit mir, weil ich leicht bin und er nicht viel tun muss, um mich durch die Gegend zu tragen. Er ruht in sich und weiß genau, was er zu tun hat. Aber Kenia? Sie ist außer sich. Und es kann doch nicht die Lösung sein, dass man sie anfängt zu hassen, um mit ihr klar zu kommen.

"Dann kriegste halt das nächste Mal ein anderes Pferd."
"Aber das ist doch keine Lösung!"
"Es ist die einfachste..."
"Ich mag keine einfachen Lösungen", bellte ich ihm hinterher. Ich kam mir vor wie 14, damals im Unterricht, wenn ich wieder einmal mit meinen Lehrern diskutierte und sie langsam, aber sicher in den Wahnsinn trieb.

Da ich noch ein Erfolgserlebnis brauchte, habe ich mir eben von Mammutjäger den Schaltplan für seine neue Illusion erklären lassen. Ich weiß jetzt eine ganze Menge kluger Dinge über Relaisschalter und ich habs sogar verstanden. Zumindest funktioniert mein Hirn noch, wenn auch der Rest - Bauch, Herz, Puls - macht, was er will.

Die Angst war schon immer meine größte Feindin.

Donnerstag, 22. Juni 2006

Kenia zum ersten, Kenia zu zweiten... und..

... Kenia zum dritten.
Mein RL zögerte kurz, dann sagte er: "Die Kenia" und schaute mich fragend an. "Ja, okay", antwortete ich tapfer, in mir eine Mischung aus Vorfreude und plötzlich aufkeimender Angst.
In der Stallgasse traf ich C., wir redeten kurz, wer wen reitet, ich sah ihre mitleidige Reaktion, denn niemand geht gerne zu Kenia; die Angst nutzte diese Zeit gnadenlos, um sich mit allerlei wilden Gedanken zu schmücken. Als ich mit Sattel und Trense bepackt an der Box stand, war es schon wieder zu spät. Mir wurde heiß und flau, die Gedanken rasten.
Halbherzig machte ich einen Schritt hiein, hatte sofort ihren Hintern vorm Gesicht, ihre Hinterhand zuckte. Wir schafften es wieder nur zu zweit, sie zu halftern, weil ich zu lange gezögert hatte. Sonst macht sie mit einem den Ringelrein-Tanz durch die Box. Sie ist verdammt schnell mit ihrem Hinterteil.
Mit meiner Ruhe wars vorbei. Ich sattelte sie, als hätte ich es mit einem rohen, mit Schlangengift gefüllten Ei zu tun. Übervorsichtig. Zu allem Überfluss gesellte sich ein neugieriger Spaziergänger hinzu und war so wahnsinnig, die Hand durch das Boxengitter zu strecken, obwohl ich mehrfach sagte: "Achtung, die beißt!" Das störte ihn gar nicht. "Ja, die mögen das nicht, wenn man sie da vorne (Anm. des Verfassers: an den Nüstern) anfasst" und führte trotz seiner Worte wieder die Hand gefährlich nahe an Kenias zickiges Maul. Ach ja? Die mögen das nicht? Curry schmelzt dahin, wenn ich ihm die Nüstern kraule, aber gut. Ich ließ ihn in dem Glauben, er konnte ihn ja ohnehin nicht davon abhalten, eine Amputation zu riskieren. Beim Trensen wurde Kenia etwas ruhiger - und ich auch. Als ich endlich aufgesessen war, erst Recht.
Schon nach wenigen Runden wurde sie immer weicher und geschmeidiger. Es ist schon merkwürdig - sobald ich oben sitze, ist die Angst verschwunden und die Sache läuft. Wir arbeiteten hart, der Schweiß lief mir in Strömen herunter. Auch Kenia bekam einen nassen Hals und Bauch.
Das Hufe auskratzen ließ sie willig über sich ergehen. Ich war ko und abgekämpft und hatte keine Lust mehr, Angst zu haben. C. half mir, Kenia abzuduschen. Sie hielt sie am Halfter fest, ich stellte den Strahl ganz weich ein und begann vorsichtig an den Hufen und Fesseln. Dabei kamen wir ins Plaudern, redeten über dies und jenes, während ich diese Zicke wie nebenbei mit dem kühlen Wasser verwöhnte. Ich traute meinen Augen kaum, als ich den letzten Strich mit dem Schweißmesser getan hatte. Zum ersten Mal hatte sie ihre Ohren nach vorne gerichtet, hielt ihren Kopf ruhig, zuckte nicht. Sie sah aus wie ein ganz normales Pferd.
Ich nutzte diese Gelegenheit und ging draußen noch eine kleine Runde mit ihr auf dem Hofgelände spazieren. Das entspannte auch mich. Es war so friedlich, die laue Luft, der Geruch von Gras und Heu und Pferd, das langsam verlöschende Licht eines heißen, schwülen Tages.
Ich glaube, das Geheimnis war, dass ich sie kurz fast vergessen hatte. Als ich mich mit C. unterhielt, hatte ich keine Gedanken frei für Angst und Gefahren. Ich hatte mit den Händen zu tun, war mit dem Kopf aber abgelenkt (Multi tasking eben...). Ich hatte Kenia damit signalisiert, dass alles in Ordnung ist. Ich kümmerte sich um sie, aber ich war nicht auf jede Regung von ihr fixiert. Ich tat es, als habe ich es schon tausend Mal getan.

Für das nächste Mal habe ich mir ganz fest vorgenommen, ihr alleine das Halfter anzulegen. Schnell und entschlossen, aber ruhig. Ich muss über diesen Panik-Punkt einfach drüber kommen.

Dienstag, 20. Juni 2006

Ein Plädoyer für die Freiheit...

... der Pferde, dem ich nur zustimmen kann:

Plädoyer für die Freiheit


pferd_feldkirchen

Montag, 19. Juni 2006

Ein teurer Spaß

Der gefürchtetste Klamottenkauf war bei mir bisher immer die neue Jeans. Wer mich jemals dabei begleitet hat, weiß warum...
Ich hatte verdrängt, dass es eine Sache gibt, die noch komplizierter und nervenzehrender ist: Der Kauf einer Reithose.
Bei der alten, preiswerten, baumwollnen mit Kniebesatz begannen sich in den vergangenen Wochen die Nähte zu lösen und überall tauchten kleine Löchlein auf, die sich nur notdürftig flicken ließen. Der feine Stoff der Innentaschen war schon nach den ersten Wäschen zerrissen, so dass das unverzichtbare Papiertaschentuch nach wenigen Runden durch die Halle schon mindestens bis zur Kniebeuge gewandert war. Die Klettverschlüsse am Knöchel - reden wir nicht darüber...
Es musste also eine Neue her. Ich suchte mir im Krämer-Katalog eine preiswerte heraus. Nahm in weiser Voraussicht eine lange Größe, wie auch bei meiner alten. Endlich kam das Päckchen - aber oh weh, zu klein. Zu eng. Und verdammt warm. Eigentlich wollte ich eine leichte Hose für den Sommer, aber die Farbe gefiel mir. Also bestellte ich eine Nummer größer, wartete wieder mehrere Tage. Fazit: In dieser Hose kann ich locker schwanger werden. Und zwar mindestens bis zum sechsten Monat.
Da reichte es mir und ich fuhr heute Morgen in einen Reitsportladen in der Nähe. Ich wusste, dass mich das teurer kommen würde.... Aber so viel teurer? Niemals. Trotzdem ist mir klar, dass alles andere keinen Sinn macht. Diese Hose hält angeblich mehrere Jahre, hat einen strapazierfähigen, aber weichen Vollbesatz; sie ist atmungsaktiv und sitzt wie angegossen.
Trotzdem tut's weh. Ich leg irgendwie verdammt viel Geld hin, um mir einmal in der Woche den Arsch aufzuscheuern und Momente der Todesangst zu durchleben.

P.S. Spätestens, wenn ich mich morgen in den Sattel geschwungen hab, weiß ich wieder, warum ich das tue. Ganz bestimmt.

Freitag, 16. Juni 2006

Galaxien und Lichtjahre

Heute morgen, 10.30 Uhr: Mein erster Einsatz als Protokollschreiberin bei einem Dressurturnier (Klasse M). Bis zu dieser Uhrzeit wusste ich nicht genau, was ich übehaupt zu tun habe. Doch der Bogen, den man mir in die Hand drückte, brachte schnell Licht ins Dunkel. Zuhören und mitschreiben - nun, das ist mein Beruf, insofern atmete ich tief durch und spitzte die Öhrchen. Die Richterin hätte eine typischere Vertreterin der Reiterinnen-Zunft kaum sein können. Ungefragt präsentierte sie mir Fotos ihrer jungen Jack-Russel-Hündin (welche Rasse auch sonst...), die sie in ihrer vermutlich sündhaft teuren und mit Volblütern bestickten Handtasche aufbewahrte; sie plauderte von ihren Erlebnissen in ihrem Luxemburger Golf-Club und dass sie eher auf Hitze eingestellt sei, da sie ja das halbe Jahr in Protugal lebe. Ach ja, und ich solle ihr bei den Bewertungen bloß nicht dazwischen plappern oder gar Fragen stellen.
Nein, tat ich nicht. Wie gesagt, Ohren spitzen und schreiben ist meine leichteste Übung. Und von Prüfung zu Prüfung wurde die Dame immer leutseliger und summte am Schluss sogar die dritte Wiederholung von "Can't stop loving you" in Orchesterversion mit. Ihr Schlusssatz zu mir: "Ich hab sehr gerne mit Ihnen gearbeitet, Sie strahlen so eine innere Ruhe aus." Ich musste lachen und sagte artig, es sei auch meinerseits ein Vergnügen gewesen. War es auch. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite - - oh weh. Wieviele Galaxien und Lichtjahre ich noch von solch reiterlichen Künsten, wie sie dargeboten wurden, entfernt bin, frustriert doch ungemein.
Reiten ist sicherlich nicht mehr der versnobte Luxussport wie einst. Doch wenn man etwas reißen will, braucht man einen Sponsor. Ich müsste mindestens drei Mal pro Woche trainieren und am besten wärs, ich würde das immer auf dem gleichen Gaul tun. Und am allerbesten, es wäre meiner. Und wann soll ich denn dann arbeiten? Mein Geld verdienen? Da ich eine 60- bis 70-Stunden-Woche habe, müsste ich mindestens auf 20 Stunden verzichten. Undenkbar!
Andere Frage: Wie kann ich Mammutjäger vermitteln, dass es sich lohnt, meine Reiterei zu sponsern? Mit sexuellen Belohnungen - nun, das wird schwierig, denn manche Sättel lassen jegliche Erotik im Nu ersterben. Und zwar für mindestens zwei Tage. Er würde schlichtweg den Zusammenhang nicht verstehen zwischen Reitstunde und körperlicher Glückseligkeit, da zu viel Zeit dazwischen liegt!
Andererseits - - wenn ich mir das Publikum auf solchen Turnieren anschaue, wundert es mich nicht, dass ich immer alleine rumstehe. Ich passe in eine ganze Menge an Gesellschaften und Gruppen nicht hinein und in diese wohl am allerwenigsten.
Ein schaler Trost. Nun kann ich mich aber sowieso nicht recht entscheiden, ob ich lieber Springen oder Dressur reiten würde (oder vielleicht Distanz? Vielseitigkeit?), und diese Zeit zum Überlegen sollte ich nutzen, um mir Gedanken um ein solides Sponsoring zu machen.

Vielleicht schreibe ich ja auch einfach einen Bestseller und werde schweineberühmt.

Mittwoch, 7. Juni 2006

Böses liebes Pferd

Das Bauchgrummeln vor der Reitstunde zeigte mir: Du bist aufgeregt. Jawohl. Gib's ruhig zu. Du hast Angst. Zumindest ein bisschen.
Das war ungewohnt. In den ersten Wochen meines Wiedereinstiegs - oder sollte man sagen: Wiederaufstieg? - war diese Nervosität sogar normal. Ich hatte Bauchschmerzen bis zu dem Zeitpunkt, zu dem ich bei Gonzales oder Lavendel in der Box stand und emsig Hufe auskratzte. Kaum etwas beruhigt mich mehr als der Geruch von Pferden.
Aber gestern wusste ich, dass die Nervosität erst in der Box richtig anfangen würde. Schuld ist das böse Pferd. Kenia. Ha, das ist Ironie des Schicksals. Eines meiner Lieblings-Mädchenbücher hieß "Mein Sommer mit Kenia" von Federica de Cesco. Kenia war eine braune, liebe Stute. Auch die jetzige Kenia ist eine braune Stute, leider aber eine braune böse Stute. Zumindest eine zickige Stute. Sie tritt und beißt, wenn man ihre Box betritt, und das Fatale ist, dass ich das irgendwo nachvollziehen kann.
Der gute Curry hat die Gelassenheit eines alten Mannes, der in seinem Ohrensessel sitzt, Pfeife raucht und den Rest seines Leben mit stoischer Ruhe an sich vorüberziehen lässt. Aber Kenia wehrt sich gegen all die Mädchenhände, die an ihr herumfingern und auch gegen all die hellen Stimmen, die mit ihr herumsetzen, und ebenso gegen die leichten bis mittelschweren Hintern, die sich in ihren Sattel plumpsen lassen.
Beim letzten Mal machte ich mir fast in die Hosen vor Angst, als ich merkte, dass sie sich auch gegen mich wehrt. Obwohl ich schon lange kein Mädchen mehr bin. Ich stand schwitzend vor der Box und traute mich nicht hinein. Diesmal holte ich mir sofort Hilfe. Und lernte, wie man mit so einem Pferd umgeht. Wo man sich hinstellt, um keinen Tritt abzubekommen und wie man ihr Ruhe vermittelt. Gleichzeitig konsequent ist.
Und es wurde ein bisschen besser. Hinter dem bösen Pferd steckt irgendwo ganz verborgen ein liebes Pferd. Dessen bin ich mir sicher.
Es gab einen ganz kurzen Moment, einen Bruchteil einer Sekunde, da wurde ihre Unterlippe schlaff, der Blick dösig, und der störrische Hals entspannte sich, drückte sich gegen meinen streichelnden Arm. Dann, zack, kapierte sie wieder, dass ich ein Mensch bin und riss den Kopf hoch.
Ach Kenia. Wenn ich könnte - ich würde dich kaufen und mich um dich kümmern. Du bist weder hübsch mit deinem seltsamen Hals noch nett noch weiß ich, ob wir jemals miteinander harmonieren.
Aber du hast mich beeindruckt. Und ganz nebenbei lässt du dich fantastisch reiten.

Gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich es jemals schaffe, ohne Herzklopfen deine Box zu betreten. Denn ich verstehe dich so gut. Manchmal muss man sich einfach zur Wehr setzen.

Freitag, 6. Januar 2006

Hottehühs

... ist doch ganz einfach...

"Und Allah nahm eine Hand voll Südwind, hauchte ihm seinen Atem ein und erschuf so das Pferd." (Alte Beduinenlegende)
Suedwind

Sonntag, 1. Januar 2006

Curry statt Vorsätze

Keine guten Vorsätze fürs neue Jahr. Halte ich sowieso nie durch, und dann wird Silvester frustrierend, weil ich erkenne, dass ich es wieder mal nicht geschafft habe.
Stattdessen lieber ein Wunsch: So oft wie möglich im Sattel zu sitzen. Zum Beispiel auf dem Kerl hier.
Dann klappt auch der Rest.

Allen Lesern alles Gute!! (falls es denn welche gibt...)Curry, der alte Macho und eins der besten Schulpferde dieser Welt...

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Zuletzt aktualisiert: 25. Jul, 02:02

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