Das Ende der Leidenschaft

Donnerstag, 23. März 2006

Das Ende der Leidenschaft/VI

Die Liebesgeschichte zwischen ... und Herzlieb scheitert offensichtlich anhand massiver Kommunikationsprobleme, bevor sie überhaupt beginnen konnte:

"Nur für dich, mein Herzlieb! Wie soll ich dein Schreiben verstehen? Wieso plötzlich per Sie und so kurz angebunden? Ich mache mir so meine Gedanken. Ich wünsche dir alles Glück der Welt und alles alles Gute. Tröste und erfreue mich an den "Gesammelten Werken". Danke für jedes liebe Wort.
In Liebe deine ....... "


An anderer Stelle gesellt sich ein Tierkommunikator in den bunten Reigen der Grußanzeigen:

"Hi, Eichhörnchen! Was glaubst du wohl, warum ich dich kontaktierte??? Höflichkeit kann auch Schmerz bereiten. Das persönliche Gespräch bringt Licht in die Dunkelheit. Danach strahlen deine Augen wunderschön. Es stimmt, die wahre Liebe ist unzerstörbar. Die Kleinen sind die besten. In Liebe Dein Knuddel."

Oh Knuddel, auch wir könnten ein wenig Licht in der Dunkelheit gebrauchen!

Sonntag, 12. März 2006

Das Ende der Leidenschaft IV

Folgender Dialog - den wir in schon mehrfach rätselnd verfolgen konnten - gestaltet sich zunehmend komplizierter.
Bei solch zahlreichen Missverständnissen und Erklärungsnöten sollte eigentlich die Erkenntnis heraufdämmern, dass eine Beziehung eher ins Unglück als auf Wolke 7 führt:

"G.M. "Heute 03.03. NICHT" sollte heißen: Heute 03.03. warst DU NICHT da. OHNE STOCK bist Du viel größer, da könnte ich mich gut unter deinem Arm "verkriechen". Ha-Ha ist ernst gemeint. "Junf. ist nicht gleich Jungf." Du bist anders. Ich sage Dir m. Gefühl f. Dich hier nicht. 08.03. wolltest du kein Gespräch. Wenn Du mich noch liebst u. mich gem. hast "Pers. Gespräch", dann sag es, ich will keine Missv. "Trampefpf." Ab 8 Uhr da, K-Tisch. Bitte gib mir endlich klar u. deutl. Zeichen. So geht es nicht. OK! Liebe Grüße, Schütze."

Nein, SO geht es wirklich nicht...

Freitag, 10. März 2006

Das Ende der Leidenschaft/III

Nach Karneval und allgemeiner Narretei ließen die Liebesgrußanzeigen leider schlagartig nach. Offensichtlich wurde mancher Blick schmerzhaft klar, nachdem der Alkoholnebel sich verflüchtigt hatte.
Nun aber sorgen bekannte und neue Liebende wieder für kuriose Stilblüten in der Tageszeitung.

Auf den ersten Blick amüsant, auf den zweiten Blick ein Stalker? Jedenfalls ist dieser Mann für süße Komplimente nun nicht mehr zu haben. Lieber versucht er mit Drohungen sein Eheglück zu erzwingen:

"Guten Morgen Sylvia, auch wenn Du es mal wieder nicht nötig gehalten hast zu kommen. Du wirst mich nicht mehr los. Irgendwann wirst du meine Frau! Das kannst du mir glauben. Liebe Grüße Bernd."
Damit fällt Bernd mindestens in die Kategorie "babbisches Gutzl", wie man in der Pfalz zu sagen pflegt.

In der wundersamen Welt der Metaphern hat sich Kuschelbär nun hoffnungslos verirrt und schreibt sich tapfer ins Nirgendwo:

"Hi, Trampelpfad. Hier legt jemand Stolpersteine. Am Dienstag warst du gemeint. Die Oase ist immer zu erreichen. Nun trau dich endlich. Benimm dich nicht so mädchenhaft. Du bist und bleibst meine schönste Melodie. Tausend Küsse Dein Kuschelbär."
Lieber Kuschelbär, meinst du nicht, es gibt schmeichelndere Kosenamen für eine Dame als "Trampelpfad"? Trampelt man denn auf einer "schönsten Melodie" herum?

Neues gibt es in unserer Kategorie "Herzelieb".

"Nur für dich, mein Herzlieb! Ich weiß nicht, ob ich gemeint war am 7.3. (ohne erkennbare Anrede). Ruf mich doch BITTE an, damit wir was vereinbaren können. (Wie war das mit dem Canossa-Gang?) In Liebe deine ....."
Hoffen wie also gemeinsam, dass Herzlieb seine Telefonphobie überwinden kann.

Mit einem Fuß im Grabe ist diese Geburtstagsanzeige für die 80-jährige Marianne - gut gemeint, aber doch sehr, sehr deprimierend für das arme Geburtstagskind:
"Volkswirtschaftlich hat das Leben zur Seniorin dich gemacht. Ein paar Tränen weint ein Auge, währenddem das andere lacht. Sturm und Drang vergangner Jahre sind inzwischen fast verpönt, auch wenn in so manchen Stunden dein Herz sich nach beidem sehnt. Doch die Zahl geschenkter Jahre - Lebensquell aus Lust und Leid - mündet in das stille Delta dankbarer Seniorenzeit. Gib dem Schiff der Lebensfreude handbreit Wasser unter dem Kiel. Setz Zufriedenheit als Segel, noch ein Weilchen - so Gott will."
Also, Marianne, mach noch mal ne Flasche Sekt auf, bevor es zu spät ist!

Sollte Tommasos spätere Ehefrau irgendwann einmal im Familienalbum auf diese Anzeige stoßen - falls sie zwischen Putzen, Kochen, Kinderpopos abputzen und Mann bedienen dazu kommt -, so steht seinen Eltern keine gute Zeit bevor. Sie schrieben heute nämlich:
"Lieber Tommaso! Herzlichen Glückwunsch zur Volljährigkeit! Bleib weiterhin bequem, leg die Beine hoch und lass dich bedienen. Stell die Musik in der Dusche auf volle Lautstärke und räume ja nichts auf. Kurzum - bleib so wie du bist! Wir haben dich lieb!"

Mittwoch, 22. Februar 2006

Das Ende der Leidenschaft II

Unsere Gruß-Inserat-Liebesgeschichten gewinnen zusehends an Dramatik. In den vergangenen zwei Tagen erquickten mich morgens diese Worte:

"Nur für dich, mein Herzelieb! Ruf Du mich doch bitte an, weil ich deine Nummer nicht habe.
Wie oft habe ich dich schon darum gebeten.
In Liebe deine...."
Womöglich WILL Herzelieb einfach nicht anrufen? Oder Herzelieb ist sich nicht sicher, ob er tatsächlich dieser Herzelieb ist? Und nicht jemand anderes? Gibt es Herzelieb überhaupt?

"Guten Morgen! Nur für dich! Hallo Klaus!
Falls du immer noch nicht verstanden hast, wie ernst verschiedene Gefühle sind, meine Absicht zu dir ist von Anfang an die gleiche geblieben. Es müsste normal von dir verstanden worden sein. Es gibt verschiedene Gefühle, die man mit dem Ernst des Lebens nicht vergleichen kann. Angsthasen sollten in Zukunft nicht mehr weglaufen, sondern zum Ziel kommen. Bitte um Treffpunkt!"
Aha. Diese Dame sollte vor dem ersehnten Treff allerdings dringend einen Kommunikationskurs an der Volkshochschule in Anspruch nehmen. Allein der Satz "Es müsste normal von dir verstanden worden sein" wird als eines der ewigen Rätsel in die Geschichte der großen Liebesdramen unseres Erdenkreises eingehen.

Dieser Mann macht erst viel richtig und dann reißt er alles mit dem Hintern wieder ein:
"Liebe Angelika! Ich habe dich schon oft an deinem Geburtstag durch die Zeitung gegrüßt und gratuliert, aber heute will ich dich fragen: Willst du mich heiraten? In Liebe - dein Dietmar.
u.A.w.g. bis 1.3.2006."
Für Freunde der vollständigen Wörter: Letzteres heißt übersetzt: Um Antwort wird gebeten bis 1. 3. 2006. Entweder findet Dietmar es extrem romantisch, Forderungen hinter Abkürzungen zu verstecken und in der Liebe Geschäftsformulierungen zu verwenden, oder ihm ist das Geld knapp geworden gegen Ende der Anzeige. Beides ist nicht gerade ein solider Grundstein für eine Ehe.

Neues gibt es heute auch in der Rubrik "Es ist was es ist":
"Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Liebe weckt in uns eine Kraft, die uns unser eigenes Geheimnis entdecken lässt. Sie kann unser leeres Herz verwandeln zu einem Ort von Licht und Herrlichkeit.
Können wir diesen Zauber weiter wirken lassen?! Ich wünsche es mir! Es tut mir gut und gibt mir eine spürbare Energie. Liebe Grüße ...."
Du wirst es ohnehin tun. Und auch wir zigtausend Leser, die alle an deinem eigenen Geheimnis teilhaben, wünschen es uns.

Unsere Liebende aus Verliebt in Berlin wollte sich offenbar mit Kurzmitteilungen nicht zufrieden geben und hat - selbst ist die Frau - zum Hörer gegriffen:

"Guten Morgen, ich weiß jetzt, dass es ein Fehler war anzurufen, aber wenn alles davon abhängt, kann es keine Liebe sein. Liebe IST. Liebe Grüße...

Freitag, 17. Februar 2006

Weils so schön war...

... und weil so schön kommentarisch nachgelegt wurde, noch ein Blick auf jene Beziehungen, die ohne Tageszeitung anscheinend nicht funktionieren können und mir immer wieder Rätsel aufgeben (es gibt tatsächlich "Paare", die hauptsächlich über Grußanzeigen kommunizieren, obwohl sie voneinander die Handynummern haben - ein teurer Spaß...).

Mit "Es ist, was es ist" fangen bereits seit mehreren Jahren immer die dubiosen Grußanzeigen jener beiden Menschen an, die es einfach nicht schaffen, sich auszusprechen, geschweige denn anzunähern:

"Es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist was es ist, sagt die Liebe. Sollte der 25.1. ein Irrtum sein? Du weißt, ich will dich durch "so etwas" nicht verlieren. Du fehlst mir!!! Egal was es wird, einmal möchte ich dir etwas schenken. Liebe Grüße... Ziehe mich auf Wunsch zurück."

Eine solche Anzeige lässt den geneigten Leser in tiefer Ratlosigkeit zurück. Der 25. 1. ein Irrtum? Aber warum denn? Was ist da passiert? Habt ihr euch endlich getroffen? Oder dann wieder doch nicht? Was ist "so etwas"? War einer von euch betrunken? Oder hat fremd geflirtet? Oder gar jemand anderem am 25.1. eine Grußanzeige geschrieben? Und was um Himmels willen willst du ihr/ihm schenken? Sätze wie "Ziehe mich auf Wunsch zurück" sind ganz heikel. Im Grunde ist das Kind da doch schon in den Brunnen gefallen.

Verliebt in Berlin ist jener Schreiber (und vermutlich auch im Alter des Zielpublikums):
"Nur für dich! Du guckst mich an und ich geh mit und da ist ewig dieser Augenblick, da scheint die Sonne, da lacht das Leben, da geht mein Herz auf, ich wills dir geben. Viele liebe Grüße (Schick mir eine sms, wenn du wieder ins Kino gehst)"

Hm. Eine Kino-Beziehung? Wäre es nicht einfacher, sich einfach übers Handy fürs Kino zu verabreden...? Oder will der andere am Ende gar nicht, dass der Schreiber ins Kino kommt? Warum dann eine so teure Anzeige? Überhaupt: Wer von den abertausend Lesern ist gemeint?
Noch fordernder und so gar nicht närrisch dieser Kandidat:

"Aschermittwoch 2006. 3 Dinge auf einen Schlag. Endgültiger Abschied - entgültiger Neubeginn. Die Entscheidung triffst alleine DU. Ab diesem Tag werde ich endlich 1 neuen Weg gehen. Die Richtung ist klar entschieden. Erwarte deinen Anruf am 18.2., 20.2. oder 22.2."
Hä? Na, da greift man doch richtig gerne zum Hörer...

Donnerstag, 16. Februar 2006

Das Ende der Leidenschaft oder: Kosenamen

Angesichts der Valentinstags-Grußanzeigen in der Zeitung von Dienstag wundert es mich nicht mehr, dass in Deutschland jede dritte Ehe geschieden wird (oder jede zweite...? nach diesen Grüßen wäre dies gut möglich).
Hier nur ein kleiner Auszug:

"Hallo Nasenbär! Ich liebe dich sehr! Deine Haferflocke!" (Hier haben wir es offensichtlich mit einer ökologischen Liebe zu tun - wie mag Haferflocke wohl aussehen? Drei-Riemen-Birkenstocks, Mittelscheitel, Kassengestell, für Schminke weder Sinn noch Zeit?)

oder:

"Hallo Nuch-Nuch-Mausi! Du bist die Sonne in meinem Leben! I.L.D. Werner"Nuch-Nuch-Mausi?? Wat? Wie ist denn das entstanden? Wie auch immer: Es klingt nicht schön! Nicht elegant! Nicht geschmeidig! Nuch-Nuch klingt nach schwerem Kattarh.
Oder wird es englisch ausgesprochen? Natsch-Natsch-Mausi? Noch schlimmer!

Sehr schön auch diese Variante (eine Rüge aber an die Anzeigenerfassung: Bitte korrigiert doch die Rechtschreibefehler! Das hier tut weh!):
"Hallo Yvonne, mein Schatz!Alles Liebe zum Valentinstag, du bist das einzigste (autsch!) was für mich in meinem Leben zählt und das wird auch immer so bleiben. Ich liebe dich! Dein Pupsi."Wir können alle erahnen, warum dieser Mann Pupsi genannt wird. Daher kein weiterer Kommentar.

Philosophisch kam sich wohl dieser Mensch vor:
"Hallo Schatz! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Dein Seelenfutter." Guten Appetit!

Nicht mehr hören kann ich das Wort "Zaubermaus".
Ganz brutal kommt es aber so:

"437 Tage Du & Ich. You are mein VALENTIN-Traumtanzbär!... unser 2tes Valentin gemeinsam. Es sollen noch viele folgen. Ich liebe dich soooooo sehr. Ganzzzzz dicken Kuss Deine Zaubermaus."Tanzbär poppt Maus? Aua.

Mein absoluter Favorit hat nix mit Valentin zu tun, ist aber so herrlich zwischen den Zeilen zu lesen:

"Sebastian.
Anfangs war der kleine Blonde lieb und auch recht gut geraten,
entwickelte sich aber schnell zum Satansbraten.
Doch als er älter wurde hat er sich schließlich umgetan,
ist heute, meistens jedenfalls, ein richtig netter junger Mann.
Es gratulieren zum Geburtstag und Führerschein
Erich, Renate und Oma Herta."

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